Anleitung
Einfache Leinentop-Schnittmuster für Anfänger (vom Tanktop bis zum Bischofsärmel)
Ein einfaches Leinentop-Schnittmuster ist der schnellste Einstieg ins Kleidernähen: Ein ärmelloses Top besteht aus zwei Hauptteilen, braucht weniger als einen Meter Stoff und etwa zwei Stunden an der Nähmaschine. Von dort aus bringt jedes neue Modell genau eine neue Technik mit – einen Knopf, einen Ärmel, eine gekräuselte Manschette –, sodass du dich in vier bis fünf Projekten vom ersten Tanktop bis zur Bluse mit Bischofsärmeln vorarbeiten kannst, ohne dich je überfordert zu fühlen. Dieser Leitfaden ordnet die Leinentops und Blusen aus dem Sewly-Katalog in genau dieser Reihenfolge und zeigt dir, was du bei jedem Schnitt lernst.
Warum mit einem Top beginnen – und warum aus Leinen?
Ein Top führt dich in einer einzigen kurzen Nähsession durch den gesamten Ablauf des Kleidernähens: Zuschneiden, Nähte schließen, Ausschnitt versäubern, säumen. Ein Kleid hat denselben Ablauf, erfordert aber deutlich mehr Stoff und Zeit. Leinen macht diesen ersten Durchgang besonders dankbar: Es verzieht sich beim Nähen nicht, lässt sich messerscharf bügeln, und ein mit Dampf vorgebügelter Saum bleibt genau dort liegen, wo du ihn feststeppst.
Verwende für Oberteile ein leichtes bis mittelschweres Leinen mit etwa 130 bis 190 Gramm pro Quadratmeter. Schwereres Leinen, wie man es für Hosen oder Jacken kauft, lässt ein ärmelloses Top steif vom Körper abstehen. Wasche jeden Stoff vor dem Zuschneiden – Leinen läuft bei der ersten Wäsche ein.
Stufe 1: Ärmellose Tops ohne Verschluss
Das sind die Schnittmuster für den allerersten Start. Zwei Schnittteile, zwei Seitennähte, zwei Schulternähte und ein Halsausschnitt sowie Armausschnitte, die mit einem Beleg oder Schrägband versäubert werden. Außer der Weite muss nichts angepasst werden, die Größentabelle reicht also völlig aus.
- Minimalistisches ärmelloses Leinentop mit U-Boot-Ausschnitt hat einen weiten, flachen Ausschnitt und schlichte Säume. Es ist das einfachste Top im Katalog.
- Ärmelloses Sommer-Leinentop mit Karree-Ausschnitt bringt dir das eine Detail bei, das ein U-Boot-Ausschnitt nicht hat: wie man eine Innenecke näht und einschneidet, damit der eckige Ausschnitt glatt anliegt.
- Lockeres ärmelloses Sommer-Leinentop mit V-Ausschnitt hat denselben Aufbau mit einem V-Ausschnitt, der einen kleinen Einschnitt an der Spitze des V und sorgfältiges Bügeln verlangt.
Die Technik: Einen Ausschnitt so verarbeiten, dass er flach anliegt. Egal ob das Schnittmuster einen Beleg oder Schrägband nutzt: Das Untersteppen (Understitching) – eine Naht knapp neben der Kante, die den Beleg an der Nahtzugabe fixiert – verhindert, dass der Beleg nach außen klappt. Mache diesen Schritt ab jetzt bei jedem Oberteil.
Stufe 2: Ein Knopfverschluss im Nacken
Ein einzelner Knopf hinten am Halsausschnitt ist der sanfteste Einstieg in Verschlüsse. Das Knopfloch ist kurz oder wird als kleine Schlaufe gearbeitet, der Knopf ist klein, und falls er minimal außermittig sitzt, fällt es niemandem auf.
- Kurzes Leinen-Crop-Top mit Knopfverschluss im Rücken kombiniert einen U-Boot-Ausschnitt mit einer kurzen Länge und verbraucht dadurch besonders wenig Stoff.
- Kurze Bluse mit 3/4-Puffärmeln und Rückenknöpfen ergänzt dieselbe Idee um Ärmel; hebe sie dir für die Zeit nach Stufe 3 auf.
Die Technik: Ein Knopfloch auf deiner Nähmaschine. Übe es zuerst auf einem doppelt gelegten Stoffrest desselben Leinens mit aufgebügelter Einlage – genau so, wie es die Anleitung für das Kleidungsstück vorsieht.
Stufe 3: Eingesetzte Ärmel
Ein eingesetzter Ärmel ist der Schritt vom Top zur Bluse. Die Ärmelkugel ist etwas weiter als das Armloch und wird beim Einnähen leicht eingehalten: Stecke den Ärmel an Schulter und Achsel fest, verteile die Mehrweite gleichmäßig und nähe mit der Ärmelseite nach unten, damit der Transporteur der Maschine die Mehrweite sanft aufnimmt.
- Leinentop mit kurzen ausgestellten Glockenärmeln hat einen kurzen, weit fallenden Ärmel, der kleine Unregelmäßigkeiten beim Einhalten verzeiht.
- Schwarze Leinenbluse mit Puffärmeln kräuselt die Ärmelkugel, statt sie glatt einzuhalten – vielen fällt das beim ersten Mal leichter, weil die Fältchen die Mehrweite aufnehmen.
Die Technik: Eine Ärmelkugel einhalten oder einreihen. Sobald das klappt, stehen dir alle Blusen- und Kleiderschnitte mit Ärmeln offen.
Stufe 4: Bischofsärmel und Glockenärmel
Ein Bischofsärmel ist ein weiter Ärmel, der am Handgelenk in eine schmale Manschette eingekräuselt wird. Er verbindet Stufe 3 mit einer Manschette und meist einem kleinen Knopf – und macht aus einer schlichten Leinenbluse ein besonderes Kleidungsstück.
- Leinenbluse mit Bischofsärmeln und Rückenknöpfen ist die klassische Variante mit dem Rückenverschluss aus Stufe 2.
- Leinenbluse mit V-Ausschnitt und Glockenärmeln nutzt einen langen ausgestellten Ärmel ohne Manschette und spart damit das Kräuseln am Handgelenk.
- Leinen-Wickelkleid in Midilänge mit Bischofs-Puffärmeln und Schlitz ist das passende Kleid, sobald dir der Ärmel vertraut ist.
Bischofsärmel brauchen ein leichteres Leinen, damit die Kräuselung weich fällt. Ist dein Stoff etwas kräftiger, ist der Glockenärmel die bessere Wahl.
Stufe 5: Durchgehende Knopfleiste vorn
Eine durchgeknöpfte Bluse ist der letzte Schritt. Sie bringt eine vordere Knopfleiste, eine Reihe gleichmäßig verteilter Knopflöcher und meist einen Kragen oder einen verstürzten V-Ausschnitt mit. Bis hierhin kennst du jeden Einzelschritt bereits; neu ist nur, sie in der richtigen Reihenfolge zusammenzusetzen und die Knopfleiste gerade zu halten.
- Lockere Leinen-Knopfbluse mit V-Ausschnitt und Bischofsärmeln verbindet den Bischofsärmel mit einer vorderen Knopfleiste.
- Lockere asymmetrische Leinen-Tunikabluse mit Knopfleiste hat einen asymmetrischen Saum, der an einer Seite länger fällt, und eine weite Passform, die nicht von millimetergenauen Maßen abhängt.
Die Technik: Die Positionen der Knopflöcher vor dem Nähen exakt mit dem Lineal anzeichnen. Eine Leiste mit gleichmäßig gesetzten Knöpfen wirkt sofort hochwertig; dieselbe Bluse mit einem leicht verschobenen Knopf sieht schnell selbstgemacht aus.
Passende Zweiteiler-Sets
Mehrere Oberteile im Katalog werden direkt zusammen mit einem passenden Rock, einer Shorts oder einer Hose in einem Download geliefert. Beide Teile gemeinsam zuzuschneiden ist ideal, um aus einer einzigen Stofflänge ein komplettes Outfit zu nähen.
- Zweiteiliges Leinen-Set: Crop-Top mit Karree-Ausschnitt und A-Linien-Rock
- Sommerliches Leinen-Set aus Tanktop und Shorts
- Leinen-Set: Tunika-Top und weit geschnittene Hose
Wie viel Leinen braucht ein Top?
Bei einer Stoffbreite von 140 cm benötigt ein ärmelloses Top in Größe M etwa 0,7 bis 0,9 Meter. Ein Kurzarm-Top braucht 1 bis 1,2 Meter. Eine Langarmbluse mit Bischofsärmeln benötigt 1,6 bis 1,9 Meter, da die weiten Ärmel die breitesten Schnittteile sind. Prüfe die Körpermaße in der Größentabelle auf der Schnittmusterseite und kaufe den Stoff für die Größe, die deinem Brustumfang entspricht – nicht für deine Kaufgröße im Laden.
Vor dem Ausdrucken
Alle genannten Schnitte sind PDF-Schnittmuster in den Größen XS bis 5XL, die du zu Hause auf A4 oder US Letter ausdruckst. Lies zuerst PDF-Schnittmuster zu Hause ausdrucken, falls du noch nie eines gedruckt hast, und miss das Kontrollquadrat nach, bevor du dein Leinen anschneidest. Starte dann mit dem U-Boot-Tanktop, nähe es ruhig zweimal und arbeite dich Stufe für Stufe vor. Die komplette Auswahl an Damen-Tops und Blusen findest du im Sewly-Katalog und auf der Schnittmuster-Übersicht.